

Hier einige Tatsachen vorab:
Fast alle Neugeborenen sind gesund und kommen ohne
Fehlbildungen und Erbsubstanzstörungen (chromosomale Anomalien) auf
die Welt!
Bei allen Frauen besteht ein kleines Risiko, ein Kind mit einem
körperlichen und/oder geistigen Schaden auf die Welt zu bringen.
In manchen Fällen ist die Schädigung auf die Störung der Erbsubstanz
(meistens Trisomie 21/Down- Syndrom) zurückzuführen.
Bei der Ultraschalluntersuchung in der 12. - 13.
Schwangerschaftswoche kann die Wahrscheinlichkeit für
Erbsubstanzstörungen beim untersuchten Kind unter Berücksichtigung
des mütterlichen Alters, des Ultraschallbefundes
(„Nackentransparenz“) und bestimmter mütterlicher Blutwerte
geschätzt werden. Darüber hinaus können einige schwerwiegende
Fehlbildungen ausgeschlossen werden. Die Kosten für die Bestimmung
der Blutwerte (ca. CHF 100) werden abhängig vom Versicherungsstatus
von den Krankenkassen übernommen.
Durch diese frühe Ultraschalluntersuchung können einige aber durchaus nicht alle körperlichen Defekte entdeckt werden. Eine weitere genaue Ultraschalluntersuchung wird auf jeden Fall nach der 20. Schwangerschaftswoche empfohlen.
Das Ergebnis des Ersttrimestertests ergibt eine
Schätzung des Risikos für das Down-Syndrom. Es ist das zurzeit
zuverlässigste nicht-invasive Verfahren während der gesamten
Schwangerschaft, mit dem die Trisomie-Wahrscheinlichkeit geschätzt
werden kann.
Um eine Erbsubstanzstörung (chromosomale Anomalie) beim Kind
definitiv auszuschliessen oder zu bestätigen, muss eine invasive
Untersuchung vorgenommen werden (Chorionzottenbiopsie oder
Amniozentese).
Diese Untersuchungen bringen allerdings ein Fehlgeburtsrisiko von 0,5 – 1.0 % mit sich.Wichtig zu verstehen ist, dass der Ersttrimestertest nur eine Risikoschätzung für das Vorliegen einer chromosomalen Störung (Down-Syndrom) ist. Die Risikoberechnung erfolgt dabei aus mehreren Parametern (Alter, Nackentransparenz, Laborparameter). Dies soll im Folgenden näher erläutert werden:
Risikofaktor Alter
Das Risiko für ein Down-Syndrom nimmt mit dem
Alter der Mutter zu. Am Anfang der Schwangerschaft ist dabei das
Risiko für das Vorliegen einer Erbsubstanzstörung höher als am
Geburtstermin, da viele betroffene Kinder ohne Eingriffe von aussen
während der Schwangerschaft sterben.
Die nachfolgende Tabelle soll dabei das Risiko aufzeigen:
| Alter (Jahre) | Risiko für Down-Syndrom am Geburtstermin (Lebendgeburt) | Risiko für Down-Syndrom in der abgeschlossenen 9.-14. Schwangerschaftswoche |
| 20 | 1:1529* | 1:696 |
| 25 | 1:1352 | 1:616 |
| 30 | 1:910 | 1:415 |
| 32 | 1:648 | 1:311 |
| 34 | 1:475 | 1:216 |
| 36 | 1:308 | 1:140 |
| 38 | 1:190 | 1:86 |
| 40 | 1:113 | 1:51 |
| 42 | 1:66 | 1:30 |
| 44 | 1:38 | 1:17 |
* 1 : 1529 heisst, dass 1 von 1529 Frauen (im Alter von 20 Jahren) ein Kind mit Down Syndrom auf die Welt bringt.
Risikofaktor Nackentransparenz
Die „Nackentransparenz“, d. h. einen dunklen Bereich (Flüssigkeit) im Nacken, hat jedes Kind zwischen der 11. und 13. Schwangerschaftswoche. Die Wahrscheinlichkeit für eine Erbsubstanzstörung (insbesondere für ein Down-Syndrom) ist umso grösser, je mehr Flüssigkeit im Nacken des Kindes dargestellt werden kann, d.h. umso breiter die Nackentransparenz ist. Anhand des Alters und der Breite der Nackentransparenz erfolgt eine Risikoeinschätzung für das Vorliegen eines Down Syndroms. Wichtig zu wissen ist, dass mit diesem Test nur 75 % aller Kinder mit Down-Syndrom auffällig sind, d.h. dass ein Teil der kranken Kinder gar nicht erkannt wird. Auf der anderen Seite können aber auch Kinder, die ganz gesund sind, einen positiven Test zeigen. Eine zu breite Nackentransparenz kann neben dem Hinweis auf eine Erbsubstanzstörung auch einen Hinweis auf eine Herzerkrankung des Kindes geben, was mit einem Spezialherzultraschall weiter abgeklärt werden sollte.
Risikofaktor Laborwerte
Über die Bestimmung von bestimmten Blutwerten kann
man durch deren Veränderung Hinweise auf das Vorliegen eines
Down-Syndroms erhalten.
Unter Berücksichtigung von Alter, Nackentransparenz und diesen
Laborwerte kann ebenfalls das Risiko für das Vorliegen eines
Down-Syndroms berechnet werden. Dieser Test wird als
Ersttrimestertest bezeichnet. Mit diesem Test werden bis 90 % aller
Kinder mit Down-Syndrom auffällig, d.h. die Sensitivität liegt
höher, als wenn man die Risikobestimmung allein aus Alter und
Nackentransparenz vornimmt.
Ihre Entscheidung
Je nach Ergebnis der Schätzung können Sie auf weitere Untersuchungen
verzichten oder eine definitive Antwort auf die Frage wünschen, ob
Ihr Kind betroffen ist. Hierzu werden weitere Tests wie eine
Chorionzottenbiopsie oder eine Amniozentese notwendig. Der Vorteil
dieser invasiven Untersuchungen ist, dass Sie eine definitive
Auskunft auf die Frage nach einer Erbsubstanzstörung bekommen. Der
Nachteil liegt aber darin, dass diese Eingriffe ein
Fehlgeburtsrisiko von 0,5 bis 1,0 % mit sich bringen.
Chorionzottenbiopsie
Diese Untersuchung wird zwischen der 11. und 13. abgeschlossenen
Schwangerschaftswoche durchgeführt. Dabei werden winzige Teile des
Mutterkuchens (Chorionzotten) untersucht. Sowohl das Kind als auch
der Mutterkuchen stammen von der gleichen Zelle. Deswegen können
Chorionzotten benutzt werden, um die kindlichen Erbanlageträger
(Chromosomen) zu überprüfen. Bei dieser Untersuchung wird unter
Ultraschallkontrolle durch eine Punktionsnadel Gewebe aus dem
Mutterkuchen entnommen. Man kann den Eingriff, der ambulant erfolgt,
sowohl über die Bauchdecke als auch durch die Scheide durchführen.
Das Fehlgeburtsrisiko dieser Untersuchung liegt etwa bei 1 %.
Amniozentese
Diese Untersuchung wird in der Regel zwischen der 15. und 16.
abgeschlossenen Schwangerschaftswoche durchgeführt. Unter örtlicher
Betäubung und Ultraschallkontrolle entnimmt der Arzt mit einer
dünnen Punktionsnadel eine Fruchtwasserprobe. Das winzige Loch, das
dabei in der Fruchtblase entsteht, schließt sich von allein. Der
Eingriff wird ambulant durchgeführt und ist nur mit geringen
Schmerzen verbunden. Aus dem Fruchtwasser werden kindliche Zellen
kultiviert, die untersucht werden. Der endgültige Befund liegt nach
etwa 2 Wochen vor. Vorläufige „Schnelltests“ können durchgeführt
werden. Das eingriffsbedingte Fehlgeburtsrisiko beträgt 0,5 – 1,0%.